Hochwasser 2013

Wir möchten gleich vorab allen beteiligten Helfern für Ihren Einsatz zur Deichverteidigung an den Elb- und Stepenitzdeichen danken. Ohne die vielfältige und uneigennützige Hilfe wäre dieses neue Hochwasserereignis für deutlich mehr Anwohner negativ verlaufen.

Es war jedoch leider nicht möglich, allen Einwohnern des Amtes einen ausreichenden Hochwasserschutz zu bieten. Einige Häuser, Wochenendhäuser und sonstige Gebäude befinden sich in Bälow, Breese und Scharleuk vor dem Deich. Hier wurde im Krisenstab entschieden, dass die betreffenden Personen ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen müssen, weiterhin wurden Ihnen auch Ausweichquartiere angeboten. Dies war eine schwere Entscheidung, jedoch mit der Maßgabe, die größte Anzahl der Bevölkerung vor dem Hochwasser effektiv zu schützen.

Das die Regenmassen, die Ende April bzw. Anfang Juni im Thüringer Wald, Erzgebirge und Tschechien fielen, zu einen nie da gewesenen Elbhochwasser führen würden, war im Vorfeld der Ereignisse nicht absehbar. Erst als am 02.06. bzw. 03.06. die Prognosen der zuständigen Behörde Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in Magdeburg eine Hochwasserwarnung der Elbe ergaben, wurde die Lage als ernst eingestuft.

Durch das Zusammentreffen sehr vieler Hochwasser führender Flüsse waren gesicherte Prognosen für den Elbpegel Wittenberge erst ab dem 06.06.2013 möglich. Die Prognosen gingen bis zum 06.06. von einem Hochwasserpegel in Wittenberge von deutlich über 8m aus. Im bisherigen Rekordjahr 2002 waren es 7,34 m. Der hohe Wasserstand ergab sich aus dem zeitgleichen Zusammentreffen der Hochwasser aus Saale, Mulde und Elbe.

Am 06.06. wurden die Hochwasserprognosen deutlich nach unten revidiert, da in Magdeburg mit einem zeitungleichen Eintreffen der Hochwasserscheitel aus Elbe und Saale gerechnet wurde. Die neuen Prognosewerte am 06.06. gingen nur noch von Werten um 7,45 m aus. Hier war eine Entspannung spürbar und berechtigte Hoffnung kam auf, dass dieser Wasserstand schadlos gehalten werden könnte. Leider bestätigte sich diese Annahme nicht und die Prognosewerte für den Pegel Wittenberge wurden 36 h später mit 8,14 m am 11. und 12. Juni angegeben. Dies ergab sich aus der Tatsache, dass der Elbehochwasserscheitel mit dem Saalehochwasserscheitel gleichzeitig an der Saalemündung eintreffen würde und nicht wie zwischenzeitlich angenommen zeitungleich.

Ab diesem Zeitpunkt war die Öffnung des Wehres in Neu Werben zur Scheitelkappung der Elbe beschlossen. Dies würde den Elbscheitel um rechnerisch 30 cm verringern. Dies bedeutet jedoch immer noch ein Hochwasser von rund 7,80 m.

Letztendlich lag der Hochwasserstand bei 7,85 m. Hubert Finke vom Wasser- und Schifffahrtsamt behauptet sogar 7,95 m, nach altem Pegelstab im Hafen Wittenberge. Bereits am 04.06. vormittags trafen sich die entsprechenden Verantwortlichen aus dem Amt mit der Gemeindevertretung in Breese. Hier wurden die notwendigen Sicherungsmaßnahmen für die Gemeinde Breese vorabgestimmt. Gleiches fand auch zwischen den Gemeinden Weisen, Rühstädt und dem Amt statt. Somit konnte das Amt, Gemeindevertretung und Feuerwehr zur ersten Stabsitzung im Brand- und Katastrophenschutz am 04.06. um 11:00 Uhr abgestimmt teilnehmen.

Ab dem 04.06. wurden die Sandsackfüllplätze in Bälow, Breese und Weisen eingerichtet. Die ersten Helfer, die die Sandsäcke füllten, waren die Kinder aus der Kita-Breese.

DANKE.

Durch vorangegangene Hochwasser waren die Schwerpunkte der Deichverteidigung und die Fehlhöhen der Deiche bekannt. Die Feuerwehren aus Bälow, Breese und Weisen richteten sich auf die bevorstehenden Aufgaben ein. Eine Ortswehrführersitzung wurde für den gleichen Tag in Rühstädt anberaumt. Zu den ohnehin großen bevorstehenden Aufgaben kam am 04.06. noch der Brand in der Großen Straße in Bad Wilsnack hinzu.

In Weisen wurde mit der Erhöhung der Deiche zwischen Sportplatz und Dorfeingang sowie Schaffung der notwendigen Höhe der Deichüberfahrten begonnen. Mit zunehmenden Pegelständen und sich abzeichnenden, wenn auch stark schwankenden Prognosen, wurde ersichtlich, das zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an den bestehenden Deichen notwendig sind. Somit wurde die Erhöhung (Aufkadung) der Deiche vom Sportplatz bis hin zum Waldhaus und vom Dorfeingang in Richtung Prignitzer Reisedienst notwendig.

Selbst bestehende Deichabschnitte mussten mit schwerer Technik erhöht und mit Flies gesichert werden.

Mit steigendem Wasserstand musste die Kreisstraße zwischen Weisen und Breese gänzlich geschlossen werden. Hier wurden im Bereich Dorfeingang Big-Packs verbaut. In Weisen wurden 2 Sandsackfüllplätze eingerichtet, die die Baustellen bedienten und die notwendigen Reserven vorhielten.

Nicht immer waren zeitgleich Kies, Sandsäcke und Paletten in ausreichender Anzahl vorhanden. Dies kann bei Vorhaben in dem uns ausgetragenen Ausmaß leider vorkommen. Jedoch waren die Weisener und Ihre Helfer rechtzeitig mit den Sicherungsmaßnahmen fertig. Spätere sich bildende Sickerstellen bzw. Schwachstellen konnten wirksam verbaut werden. Für Weisen liegen uns als vorläufige Zahl die Lieferung von 1200 t Kies zur Sandsackbefüllung vor. Dies wären ca. 150.000 Sandsäcke.

Durch den fehlenden Schutzdeich um Breese war zum wiederholten Mal die Breeser Bevölkerung unter Führung und Mitwirkung der Gemeindevertretung sowie der drei Feuerwehren Breese, Groß Breese und Kuhblank gefordert.

Anders als in Weisen ist die ganze Ortslage ab einem Pegelstand von 7,15 m vor dem Wasser aus der Stepenitzniederung durch Überflutung bedroht. Somit wussten die Breeser, dass beginnend an der Bahntrasse über den Breeser Stern bis zur Stepenitzbrücke nach Weisen ein Hochwasserschutz errichtet werden muss.

Bereits am 04.06. wurden die 3 Durchlässe in der Straße nach Wittenberge verschlossen. Dies dient der Entlastung des Sommerdeiches, damit dieser alte Deich nicht mehr die volle Wasserhöhe tragen muss.

Beginnend am Fuße der Brücke wurde ein Sandsack-verbau errichtet, der vorbei am Eiskaffee, dem Sportplatz bis zur Perleberger Straße reichte. Stellenweise war der Sandsackverbau bis 2 m hoch. Und doch war der Verbau nur auf 8 m Wasserhöhe ausgelegt. In Anbetracht der Höhe kamen durch die PVC-Säcke Stabilitätsprobleme auf, die glücklicher Weise keine ernsten Konsequenzen hatten.

Es war absehbar, dass der Bereich LH (Maack) bis zur Stepenitzbrücke in der Kürze der Zeit nicht durch Sandsäcke hätte verbaut werden können. Hier entschieden sich Landkreis, Amt und Gemeinde zur Beauftragung der Firma Universal Bau mit der Herstellung eines Notdeiches. Auslegungshöhe waren wiederum 8,10 m. Der Notdeich wurde wasserseitig durch Flies vor Erosion geschützt.

Eine weitere Schwachstelle wurde der Wald neben dem Weisener Weg. Bedingt durch den Wald waren hier genaue Höhenangaben und Geländeformationen nicht ermittelbar.

Somit kam es an 2 Tagen zum unkontrollierten Eindringen von Wasser durch den Wald in Richtung Weisener Weg. Dies wurde durch das engagierte Eingreifen von T. Voss soweit unterbunden, dass nur angrenzende Waldflächen kurzzeitig überflutet wurden. Ohne die stundenlange nächtliche Arbeit von Herrn Voss, wäre die Lage bedeutend erschwert worden. Die Breeser und Ihre Helfer haben ca. 2200 t Kies in Sandsäcke gefüllt und natürlich auch verbaut. Auch in Breese waren an manchen Tagen die leeren Sandsäcke bereits um 15 Uhr alle gefüllt. Insgesamt waren es in Breese ca. 300.000 Stück.

Im Bereich Bälow wurde durch die vom Krisenstab des Landkreises beauftragte Firma Strabak die zusätzliche Berme im Abschnitt zwischen Sandkrug und Bälow errichtet. Zur Deicherhöhung wurden in Abstimmung mit dem LUGV Potsdam und dem Landkreis Prignitz Strohballen mit Folie eingesetzt. Diese neue Technologie hat sich bewährt und konnte in einer viel kürzeren Zeit aufgebaut werden. Hierbei wurden die örtlichen Feuerwehren von vielen Helfern der Bundeswehr unterstützt. Die Gemeinde Rühstädt versuchte mit den eingesetzten Feuerwehren die Grundstücke vor dem Elbdeich in der Ortslage Bälow zu schützen. Leider wurden 3 Grundstücke überflutet.

Eine weitere Schwachstelle war am Elbdeich zwischen Scharleuk und Hinzdorf zu verzeichnen. Hier wurde der gesamte Deichabschnitt mit Sandsäcken und Vlies zugepackt. Die Deichverteidigung erfolgte in diesem sensiblen Bereich rund um die Uhr. Die Kameraden der Ortswehr Quitzöbel unterstützten bei der Absackung des Mitteldeiches bei der Deichverteidigung, um größeren Schaden abzuwenden.

Die Deichläufer am Elbdeich zwischen Quitzöbel und Scharleuk sowie im Bereich Breese und Weisen wurden 13 Tage eingesetzt, um die Deiche zu kontollieren.

An alle Helfer und Deichläufer, sowie dem THW, der Polizei, der Feuerwehr Potsdam und an alle, die auf Ihre Art geholfen haben, richtet sich unserer Dank.

Als die Pegelstände bereits sanken, erreichte den Krisenstab ein Hilfegesuch aus Havelberg. Daraufhin wurden aus unserem Amt 3 Wehren (Grube, Groß Breese und Legde) mit 27 Kameraden in die Havelniederung gesandt, um dort beim Deichbau zu helfen. Die 3 Wehren wurden zur Verteidigung von Gartz eingesetzt, verstärkt durch anfangs 10 Bundeswehrsoldaten und den örtlichen Bauern. Gebaut wurde dort ein 1500 m langer Notdeich. Einsatzbeginn vor 10 Uhr und abgerückt wurde nach Fertigstellung um 23 Uhr. Weiterhin wurden von den Sandsackfüllplätzen pallettenweise Sandsäcke nach Havelberg und die umliegenden Orte transportiert.

Dann begannen die Aufräumaktionen. Wir werden unsere Forderungen, Breese mit einem Deich vor dem Hochwasser schützen zu lassen, nicht nachgeben. Vielleicht hatte die Politik in der Vergangenheit ja auch Teich und nicht Deich verstanden…

Hier ein paar Reaktionen

  • Feuerwehr Potsdam: „Hallo Kameraden, trotz des Hochwassers habt Ihr Humor bewiesen! Eure Bürger waren Klasse, hatten trotz allem Humor. Ich möchte mich für die tolle Verpflegung bedanken, ob im Gerätehaus oder durch die Bürger im Ort! Ich komme wieder, aber als Tourist und nicht als Helfer!“
  • Polizeiinspektion Oberhavel, Wache Oranienburg: „Hallo an alle Kameraden, ich wollte Euch gern ein paar Fotos zukommen lassen und im Namen aller Kollegen der Polizeiinspektion Oberhavel, Wache Oranienburg noch einmal ganz herzlich DANKE sagen für Eure super nette Zusammenarbeit und die tolle „Verpflegung“. Ein ganz spezielles Danke geht an Danny, Thomas und unsere „rasende“ Kaffeelieferantin! Wir hoffen, dass alles ruhig bleibt und wünschen Euch alles Gute. Wir werden ab Sonntag noch einmal „dort oben“ im Einsatz sein.“
  • Feuerwehr Groß Glienicke: „Hallo Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Breese, wir, die Freiwillige Feuerwehr Groß Glienicke, waren als Teil der Potsdamer Feuerwehr in dieser Woche bei Euch „zu Gast“ um Euch tatkräftig bei der Sicherung Eures Ortes zu unterstützen. Dieser Einsatz hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders der Zusammenhalt im Ort, sowie die Freundlichkeit und der Humor mit dem Ihr, trotz der  brenzligen Lage, uns gegenüber getreten seid, ist einzigartig und kommt so heutzutage leider nicht mehr oft vor. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Verpflegung und Eure Gastfreundschaft bedanken. Wir zollen Euch und Euren Einwohnern höchsten Respekt und wünschen Euch, dass wir zukünftig nur noch als Urlauber zu Euch kommen und nicht mehr als Helfer tätig werden müssen. Vielleicht haben die Politiker ja diesmal verstanden, dass immer nur reden kein wirksamer Hochwasserschutz ist. Für ganz Interessierte haben wir unsere Erlebnisse in einem etwas längeren Artikel auf unserer Homepage veröffentlicht. Bleibt stark und haltet zusammen!!!“

Links

Artikel von: T. Blüthmann (stellv. Wehrführer), Ergänzungen durch Sven, Fotos: Feuerwehren und Bürger
Quelle: Amtsblatt für das Amt Bad Wilsnack/Weisen Nr. 4 vom 18. Juli 2013